Verfasst von: Melanie | 14. Januar 2010

Neues aus Kambodscha

Hoffe mal, dass Ihr alle gut ins Neue Jahr gestartet seid. Ich weiß, ich hab lange nichts mehr von mir hören lassen. Mein Laptop hatte zwischenzeitlich leider den Geist aufgegeben (die Rechner in den Internetcafés hier bringen einen regelmäßig zur Verzweiflung, von daher keine wirkliche Option), aber mittlerweile habe ich meinen wieder zum Laufen gebracht (Danke Google!), somit gibt es jetzt auch keine Ausreden mehr… Höchste Zeit für ein kleines (oder größeres) Update. Seit fast 4 Wochen bin ich nun also in Kambodscha unterwegs und mittlerweile in Kampot, einer kleinen aber sehr feinen Stadt im Süden des Landes nahe der vietnamesischen Grenze gelandet, und muss sagen, hier gefällt es mir außerordentlich gut.

Aber um erstmal die viel gestellte Frage zu beantworten, wie und wo ich denn die Feiertage verbracht habe….Über Weihnachten war ich in Phnom Penh, wo ich im Guesthouse ein paar nette Jungs aus Kanada bzw. den USA kennengelernt habe. Zusammen haben wir dann auch das obligatorische Hauptstadt-Sightseeing hinter uns ge- und schöne (und vor allem stressfreie ;o))) Weihnachtstage verbracht. Über Sihanoukville hat es mich weiter nach Kep verschlagen, wo wir (d.h. die gesamte Truppe aus dem Guesthouse dort) auf Rabbit Island, einer kleinen vor Kep gelagerten Insel, mit ca. 200 anderen Leuten (überwiegend Kambodschaner) ins neue Jahr gefeiert haben (sozusagen mein erstes Silvester unter Palmen, wobei mir das Mitternachtsfeuerwerk irgendwie dann doch gefehlt hat…).

Dies ist mittlerweile schon meine zweite Woche in Kampot (fange praktisch schon an, Wurzeln zu schlagen). Tagsüber bin ich meist ein paar Stunden in einem nahe gelegenen Kinderheim, wo ich zusammen mit einem Australier Englisch unterrichte (was, wenn man die Landessprache nicht spricht, nicht immer ganz einfach ist, aber wir geben unser Bestes ;o)), mit den Kids spiele (ungeschlagener Favorit der Kleinen bisher: Hangman [Galgenraten]) oder sonstigen Quatsch veranstalte, was mir, erstaunlicherweise, tierischen Spaß macht (jaha, sollte ich meine Berufswahl doch noch einmal überdenken??). In dem Heim leben 58 Kinder im Alter von 1 bis 20 Jahren. Das Heim selbst finanziert sich fast ausschließlich über Spenden, vom Staat gibt’s hier so gut wie nichts dazu, so dass sie natürlich jegliche Unterstützung mehr als dankbar annehmen.

Kambodscha hat (meiner Meinung nach) landschaftlich zwar nicht allzu viel zu bieten, dafür sind die Leute hier aber um so herzlicher. Die Frauen laufen hier übrigens alle in Pyjamas (je bunter, desto besser) herum, seeehr ungewohnt für das westliche Auge ;o). Mit der Währung ist das hier auch so eine witzige Sache. Landeswährung ist der Riel, bezahlt wird allerdings größtenteils in US-Dollar, wobei die kleinste Einheit hier die 1 USD-Note ist. Alle Beträge unter 1,00 USD werden in Riel bezahlt (wobei momentan mit 1 USD gleich 4000 Riel gehandelt wird). Ein Betrag von 1,50 USD wäre dann praktisch zahlbar in 1 USD und 2000 Riel … oder eben 6000 Riel. So weit so gut, bei Beträgen wie 1,70 USD geht dann die Rechnerei los (naja, zumindest für mich).

Kambodscha, das ist aber auch Kinderarbeit (das jüngste Kind, das mir etwas verkaufen wollte, war erst 5 (!) Jahre alt), Prostitution und ein großes Kindersex-Problem, das asiatische Land mit der höchsten AIDS-Rate (übrigens von den UN-Truppen ins Land gebracht), Korruption, minenverseuchte Landstriche, die jedes Jahr immer noch zahlreiche Opfer fordern, ein kaum vorhandenes Gesundheitssystem (von einem Sozialsystem mal ganz zu schweigen), alles in allem, seit dem Krieg eines der ärmsten und unterentwickelten Länder Südostasiens…

Am Wochenende läuft mein Visum für Kambodscha aus und ich weiß noch nicht so recht, was ich danach machen soll. Doch noch durch Vietnam reisen, wie ursprünglich geplant (damit die 40 Dollar für das Visum nicht ganz umsonst waren) oder nur Visa-Run und wieder zurück nach Kampot? Wird wohl sehr spontan entschieden werden. Ende Februar geht’s dann ja (leider) schon wieder Richtung Heimat. Kann gar nicht sagen, wie ich darüber fühle. Habe mich die letzte Zeit oft gefragt, ob ich mittlerweile wieder „bereit“ für den deutschen Alltag mit allen seinen guten wie auch schlechten Seiten bin, ich weiß es nicht. Ich freue mich natürlich sehr darauf, alle meine Lieben wieder zu sehen, andererseits stimmt es mich bereits todtraurig, wenn ich nur daran denke, dass mein Abenteuer damit dann auch vorbei sein wird. Ich weiß, jeder Spaß hat irgendwann ein Ende… Erinnert Ihr Euch, am Anfang meines Trips hatte ich mal gesagt, das Schwierigste war, die Entscheidung zu treffen, den Schritt zu tun. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass das Nach-Hause-Kommen viel viel schwieriger ist….


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